Heute startet unser längster Trip den wir jemals während eines Urlaubs unternommen haben. Los geht's um 2:30. Nachts. Um kurz vor drei steht das Tucktuck vor der Tür und bringt uns zum Bahnhof. Mit dem Zug soll es zunächst nach Colombo und von dort nach Hatton gehen. Gleise werden in Sri Lanka traditionsgemäss direkt überquert, eine Unterführung gibt es nicht. Im Zug nach Colombo offenbart uns Sparfuchs Sam, dass er "versehentlich" 3. Klasse-Tickets ab Colombo gebucht hat. Da stieg bei uns schon leichte Panik hoch, denn 5 Stunden in der 3. Klasse zu verbringen hätten wir nicht gepackt. Zum Glück konnten wir in Colombo noch schnell auf die 1. Klasse upgraden und saßen dann mit der ganzen Familie in einem schönen gemütlichen Panoramawagen, der die Zugfahrt zu einem sehr schönen Erlebnis machte. Bei einem Preis von 6,50€ pro Ticket konnte man sich das auch mal gönnen.
Mittags kamen wir in Hatton an und fuhren mit dem Bus nochmal anderthalb Stunden mit halsbrecherischer Geschwindigkeit über Serpentinen an Teeplantagen und steil abfallenden Hängen vorbei.Unser Ziel war Dalhousie, wo wir erstmal eine Unterkunft suchen mussten. Entschieden haben wir uns für das Green House. Ein grünes Haus direkt am Einstieg zu Adams Peak, dem eigentlichen Ziel unserer Reise. Adams Peak ist der heiligste Ort Sri Lankas, sowohl für Buddhisten, Hinduisten, Moslems und Christen. Dort oben soll der Fußabdruck Buddhas sein, die Christen behaupten, dort hätte Adam den ersten Schritt gesetzt, nachdem er aus dem Paradies geworfen worden war. Was die anderen Religionen behaupten wissen wir gerade nicht. Der Berg hat eine Höhe von 2243m und ist der dritthöchste Berg Sri Lankas. Der 7km lange Aufstieg zum Gipfel führt über ca. 5200 Stufen. Manche schaffen den Aufstieg in 2,5 Stunden, aber dazu später mehr.
Um 14 Uhr haben wir in der Pension eingecheckt, einen Tee getrunken und ein nettes Münchner Pärchen getroffen. Anschließend musste das Schlafdefizit nachgeholt werden und so legten wir uns alle zusammen im "Family Room" hin und dösten bis um 7. Um 7 gab es Abendessen und Sam entschied, dass es sinnvoll wäre, bereits gegen 21 Uhr mit dem Aufstieg zu starten und zog mit Kind und Kegel los. Wir hingegen horchten nochmal bis um 2 an der Matratze und starteten dann den Aufstieg.
Dieser fing zunächst harmlos an, doch nach einer Stunde merkten wir, dass das kein Kindergeburtstag werden würde. Der Schweiß floss bei Flo in Strömen und in kürzester Zeit war das einzige Hemd dass ich dabei hatte pitschnass. Die Treppen nahmen kein Ende und der Gipfel schien nicht näher zu kommen. Pilger kamen uns entgegen, alte Frauen und Männer, Kinder mit ihren Familien und alle sahen fitter aus als wir. Alle paar hundert Höhenmeter gab es Teebuden an denen wir ab und an eine Pause einlegten. Nach Dreiviertel der Strecke holte und das Münchner Pärchen ein und ebenso der Hofhund der Pension, der die Strecke jeden Tag freiwillig hoch und runterläuft... Endlich gegen kurz nach 6 erreichten wir vor Sonnenaufgang den Gipfel. Sams Familie war schon seit halb 3 dort und hat die Nacht frierend auf dem Gipfel und später in einem Unterschlupf verbracht. Zu unserem Pech war an diesem Morgen alles mit Wolken verhangen, so dass wir keinen atemberaubenden Blick vom Dach Sri Lankas erhaschen konnten. Betrübt machten wir uns eine Stunde später wieder an den Abstieg, und schon nach 500 Stufen fingen die Knieschmerzen an... Nach nie enden wollenden 4 Stunden erreichten wir wieder die Pension, die Familie kam eine Stunde später nach. Die Knieschmerzen waren am Ende so extrem, dass jede kleine Stufe abwärts die reinste Qual war und die wenigen Bergaufstufen ein Segen. Zum Glück erfuhren wir beim Frühstück dass wir den 2 Uhr Zug verpasst hatten und der nächste erst um Mitternacht zurück ging. Somit kamen wir in den Genuss der Intercity Express Busse...Wer Todessehnsucht, einen Hang zur Klaustrophobie hat und auf Selbstgeisselung steht, dem sei diese Art der Rückfahrt wärmstens zu empfehlen. 1,5 Stunden mit dem Bus von Dalhousie nach Hatton, 5 Stunden mit dem "Express" Bus nach Colombo und nochmals 2 Stunden nach Kaluthara.... Abgesehen von der Busfahrt hätte uns jeder einzelne Busbahnhof ohne einheimische Begleitung längst das Genick gebrochen. Das Chaos das dort herrscht und die ständige Gefahr, von den Bussen einfach überfahren zu werden ist unbeschreiblich.
Gegen 22 Uhr endet unser Extremtrip nach 44 Stunden wieder zuhause in Kaluthara. Eine Erfahrung die man mal gemacht haben sollte, aber nie mehr wieder haben muss :)
P.S. Freddy ist nicht tot zu kriegen.
2 Kommentare:
Holy Moly,
ich hoffe, dass sich eure Knieschmerzen verabschiedet haben! Ich kann das sooooooo gut nachvollziehen! :-(
Ich denk an euch...
PS: Ich dachte Freddy wär schon tot?
Freddy stirbt wohl nie, der hat mehr Leben als 10 Katzen zusammen :-)
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